Canterbury United - Team Wellington 1:2 (23.02.2020, ISPS Handa Premiership Neuseeland)

English Park in Christchurch

"Bis ans Ende dieser Welt" tauften wir vor 20 Jahren unser formidables Fanzine, das die Welt im Sturm eroberte. Oder so ähnlich. Der Titel ist natürlich kackfrech geklaut vom gleichnamigen B.o.-Song. Falls du das liest, Tower, verklag uns doch :-). Vor allem die knallige Zeile "Wir fahrn ans Ende dieser Welt - für unsern VfL" drückte damals die Sehnsucht nach weiten Reisen aus, schließlich war der Europapokal so weit entfernt wie B.O. vom Grammy. (Hallo, Tower!).

Canterbury United, The Den
20 Jahre später wurde das Motto dann Realität. Neuseeland! Tatsächlich verbrachte ich vor Abflug bei Google Maps Stunden damit, den Ort auf Neuseeland zu finden, der am weitesten von Mönchengladbach entfernt ist. Zwei Wochen später standen wir dann am Cape Saunders zwischen Seehunden und watschelnden Gelbaugen-Pinguinen (Gänsehaut!) exakt 18.744 Kilometer (siehe Radius unten links) vom Borussia Park entfernt. Weiter entfernte Landmassen formen auf dieser Erde nur die Chatham-Inseln (600 Einwohner) und Campbell Island (0 Einwohner). Selbst zum Südpol sind es nur 15.705 Kilometer.

Weit, weit weg

Und damit zum Fußball. Die Liste der am weitesten entfernten Erstligisten der Welt wird wenig überraschend von Kiwi-Klubs dominiert. Rang eins belegt Southern United aus Dunedin, direkt dahinter folgt Canterbury United aus Christchurch. 18.681 Kilometer Luftlinie sind es von Mönchengladbach bis zum dortigen English Park.

Canterbury United, The Den
Aber von vorne. Von Amsterdam ging es über Seoul nach Auckland. Uff. Eigentlich sollte der Länderpunkt Nummer 86 schon dort fallen, allerdings musste Auckland City kurzerhand in der Qualifikation zur Champions Leage antreten, das anvisierte Ligaspiel wurde verschoben, und wir mussten einen neuen Flug auf die Südinsel buchen, um überhaupt den Ball rollen sehen zu können. Am Ende blieb es das einzige Spiel in fast drei Wochen - ein richtiger Hopper werde ich in diesem Leben wohl nicht mehr.

Eine Stadt mit Narben

Immerhin kamen wir so nach Christchurch, das ursprünglich gar nicht auf unserer Route lag - und uns mit seiner lockeren Atmosphäre förmlich begeisterte.
English Park
2010 und 2011 wurde Christchurch bekanntlich von Erdbeben erschüttert, die Kathedrale liegt noch immer in Trümmern, und im März 2019 meinte dann ein Typ mit offenbar kleinem Pimmel, seine Minderwertigkeitskomplexe mit einem Terroranschlag kompensieren zu müssen. Und doch hat die Stadt ihre Lebensfreude nicht verloren, ganz im Gegenteil. Hut ab.

Ach so, Fußball. In Christchurch hieß der Platzhirsch über Jahrzehnte Christchurch United (sechsmal Meister), mit der Formierung einer neuen Franchise-Liga entstand 2002 aber Canterbury United - "Canterbury" bezeichnet die Region, in der Christchurch liegt. Auf die erste Meisterschaft wartet der Klub indes noch immer. Und daran wird sich auch 2020 nichts ändern - aktuell sind die Dragons abgeschlagenes Schlusslicht der Zehner-Liga.

Stadion der Dragons von Canterbury United
Mission erfüllt

Bei strahlendem Sonnenschein kämpften wir uns mit öffentlichen Verkehrsmitteln zum English Park, wo es für 10 NZ-Dollar (ca. 6 Euro) leider keine Eintrittskarte gab. Grmpf. Etwa 350 Zuschauer versammelten sich zum Anpfiff auf der einzigen Tribüne - in Neuseeland spielt Fußball hinter Rugby, Cricket und wahrscheinlich Sport-Angeln nur eine Nebenrolle. Das Spiel war dann auch, nun ja, erbärmlich. Aber egal, das Wetter war ein Traum, der Kaffee schmeckte - und der Ball rollte. Was will man mehr.

Und damit war das Thema Fußball dann auch schon abgehakt. Weiter ging es unter anderem auf die Otago-Halbinsel mit den erwähnten Pinguinen. Nur noch ein paar Hundert gibt es von der seltenen Spezies, die in fünf bis zehn Jahren ausgestorben sein könnte. Ganz ehrlich: Wenn so ein Ding aus dem Meer steigt und dann über den Strand Richtung Nest wackelt, steht der Mund einfach nur offen. Zurück ging es eine Woche später vom wunderschön gelegenen Queenstown in einem wahren Reisemarathon über Auckland und wieder Seoul (Corona-Alarm!) nach Amsterdam.

Bis an Ende dieser Welt - die Mission ist erfüllt. Zumindest, bis auf den Chatham-Inseln ein Stadion gebaut wird...

Dunedin, das Ende der Welt  Zerstörte Kathedrale in Christchurch  Gelbaugen-Pinguine auf de Otago-Halbinsel