TSV Kaldenkirchen - DSC 99 Düsseldorf 0:10 (9.8.2026, Niederrheinpokal)
Jahnkampfbahn in Kaldenkirchen

Ganze 22 Auto-Minuten trennen meine Haustür und die Jahnkampfbahn in Kaldenkirchen. Wie genau mir diese kleine, aber feine Anlage bislang entgangen ist, verstehe ich selbst nicht so ganz. In erster Linie wohl, weil sehr gerne auf dem benachbarten Kunstrasen gespielt wird. Heute galt das zum Glück nicht.

Tribüne der Jahnkampfbahn in Nettetal

Der Spaß beginnt schon am Eingang, der Schriftzug "Jahn Kampfbahn" über dem gemauerten Kassenbereich ist eine wahre Augenweide. Dahinter leuchtet zwischen den Bäumen dann auch schon die Tribüne der Kampfbahn mit ihren blauen Sitzschalen und dem etwas überdimensionierten Dach. Ringsherum (!) gibt es Stufen, die teilweise bestens gepflegt, teilweise aber auch schon von Unkraut überwuchert sind. Dazu das gemauerte Sprecherhäuschen und die geschwungenen Mäuerchen, durch die beide Mannschaften einlaufen - für einen Klub der Kreisliga A ist das richtig schön.

Eröffnung 1935, Tribüne 1961

Eröffnet wurde die Kampfbahn schon am 14. Juli 1935 durch den Turnverein, der in diesem Jahr seinen 50. Geburtstag feierte. Zur Eröffnung faselte Dr. Bernhard Pauw, Kaldenkirchener Bürgermeister und NSDAP-Mitglied, von "unserem unvergleichlichen Führer, der uralter Sehnsucht nach deutscher Einigkeit und Größe Erfüllung gab." Dabei, so heißt es, war Pauw nicht einmal überzeugter Nazi. Aber das nur am Rande.

Jahnkampfbahn des TSV Kaldenkirchen

1950 folgte der zweite Platz, der zum heutigen Hauptplatz wurde und 1961 die Tribüne erhielt. Der Zustand und das Fassungsvermögen von 6000 blieben lange erhalten, diese Bilder auf Stadionwelt können jedenfalls noch nicht allzu alt sein. Das änderte sich um 2020. In einem Bauantrag heißt es, dass der Bewuchs der Stehränge mit Unkraut "seit dem Spritzverbot" nicht mehr zu steuern sei. Ziel sei es, die "Stehränge weitgehend zu entfernen und durch mähfähige Böschungen zu ersetzen". Dieses Ziel wurde offensichtlich bis heute nicht erreicht, was zumindest den Stadion-Nostalgiker sehr freut.

Einst WM-Torschütze, heute mit dem 0:1

Zum Spiel. Als einer von nur vier Kreisliga-A-Klubs hat Kaldenkirchen den Niederrheinpokal erreicht. Dort wäre theoretisch ein Duell mit Fortuna Düsseldorf möglich gewesen, stattdessen kommt der Bezirksligist DSC 99 Düsseldorf. Das Ergebnis wäre aber wohl auch gegen die Fortuna kaum schlechter ausgefallen: Vor etwa 80 Zuschauern heißt es am Ende 0:10. Das erste Tor erzielt dabei Ex-Profi Dennis Dowidat, der 2007 mit Deutschland zur U17-WM nach Südkorea fuhr und dort in einer Mannschaft mit Toni Kroos, Kevin Trapp und Tony Jantschke Rang drei belegte. Dowidat, einst auch ein Borusse, erzielte sogar drei WM-Tore, eines davon im Viertelfinale gegen England.

Ach so: Eine brauchbare Wurst vom Grill gab es auch. Und so ging es nach 90 Minuten zusammen mit dem Sohn, der die zweite Halbzeit kickend auf dem Nebenplatz verbrachte, satt und zufrieden durch das noch immer sehenswerte Tor zurück in den Straßenlärm.

Stufen in der Jahnkampfbahn Tribüne in Kaldenkirchen Eingangstor Jahnkampfbahn Kaldenkirchen