Günter Netzer mit Kaugummi im Mund, Hennes Weisweiler mit Hemd und Krawatte – und vorneweg der Trommlercorps Setterich. Als das Stadion Wolfsgasse im Juni 1972 eröffnet wurde, war ganz schön was los in dem Stadtteil von Baesweiler.
Denn: Niemand Geringeres als Borussia Mönchengladbach schaute vorbei. Die Fohlen waren quasi in ihrer Prime, hatten zwei Monate zuvor die dritte Meisterschaft in Folge knapp verpasst und brachten nun ein paar frisch gebackene Europameister mit. 6500 Zuschauer strömten in das neue Stadion – auf ein paar wackligen Bilder auf Youtube sind die vollen Ränge gut zu sehen.
Zwei Jahre lang "Deckel drauf"
Der Hausherr SV Setterich war damals als Landesligist (insgesamt von 1970 bis 1976) immerhin viertklassig, ein solches Stadion hatte also durchaus seine Berechtigung. Später gab es dann auch noch den FSV Setterich, der es 2000/01 ebenfalls in die Landesliga schaffte. 2004 folgte eine Fusion – doch statt mit vereinen Kräften bergauf ging es steil bergab.
Der Tiefpunkt war 2023 erreicht: Der SC 07/86 Setterich stellte keine Jugendmannschaft mehr, und nun wurde sogar die einzige Herrenmannschaft abgemeldet. Man habe sich schweren Herzens entschieden, "den Deckel draufzumachen", sagte der Vorsitzende Mike Grotenrath der Aachener Zeitung. In der Hoffnung, "dass vielleicht doch nochmal irgendwas kommt2, blieb der Verein aber bestehen.
Schwarz und Rot
Und, siehe da, seit 2025 kickt der SC Setterich wieder in der Kreisliga D. Und damit lädt auch das Stadion Wolfsgasse wieder zu einem Besuch ein. Der Abstecher lohnt durchaus: Die schwarz-rote Tribüne ist eine hübsche und wird zudem von reichlich Stufen flankiert, die auf einer Seite auch schon unter allerlei Gestrüpp verschwinden. Und wer noch etwas Außergewöhnliches sucht: Direkt hinter den Toren positionierte Flutlichtmasten habe ich auch noch nirgendwo gesehen. Kleiner Tipp: Da Setterich in der Regel um 13.00 Uhr spielt, ist ein Doppler mit dem ebenfalls ganz netten Stadion an der Parkstraße des JSV Baesweiler durchaus möglich.
Sogar der Grill wurde heute angeschmissen, und gekickt wurde auch - auch wenn ich angesichts der üppigen Regenfälle kurz vor Anstoß kurz Zweifel hatte. Im letzten Test der Vorbereitung bezwang Setterich den eine Liga höher spielenden SV GW Welldorf-Güsten III nach 0:2-Rückstand mit 4:2, wobei sich haarsträubende Fehler und sehenswerte Tore abwechselten. Zeuge des Ganzen wurden etwa 30 Zuschauer, einer davon mit Borussia-Jacke – wobei Setterich klar Alemannia-Gebiet ist, wie auch die Karlsbande-Kritzeleien auf der Tribüne und in den Toiletten-Räumen zeigen.